GRENKE Chess Classic Baden-Baden
06. - 12. September 2014
  • Georg Meier
    Georg Meier

    Name: Georg Meier
    Alter: 27
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 108

  • Dennis Wagner
    Dennis Wagner

    Name: Dennis Wagner
    Alter: 17
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 773

  • Arkadij Naiditsch
    Arkadij Naiditsch

    Name: Arkadij Naiditsch
    Alter: 28
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 34

  • Liviu-Dieter Nisipeanu
    Liviu-Dieter Nisipeanu

    Name: Liviu Dieter Nisipeanu
    Alter: 38
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 75

  • Matthias Bluebaum
    Matthias Bluebaum

    Name: Matthias Bluebaum
    Alter: 17
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 598

  • Philipp Schlosser
    Philipp Schlosser

    Name: Philipp Schlosser
    Alter: 46
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 286

  • David Baramidze
    David Baramidze

    Name: David Baramidze
    Alter: 25
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 232

  • Daniel Fridman
    Daniel Fridman

    Name: Daniel Fridman
    Alter: 38
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 138

GRENKE Chess Classic 2014, 2. Runde: Die Youngster überraschen

Die 2. Runde des GRENKE Chess Classic stand ganz im Zeichen der "Prinzen". Matthias Bluebaum bezwang nach einem wilden Schlagabtausch Arkadij Naiditsch und Dennis Wagner remisierte mit Schwarz gegen Georg Meier. Die zwei weiteren Partien zwischen Baramidze und Schlosser sowie Nisipeanu und Fridman endeten nach ausgeglichenem Verlauf remis.

GRENKE Chess Classic 2014 - Ergebnisse 2. Runde

GM Meier Georg ½ - ½ IM Wagner Dennis
GM Baramidze David ½ - ½ GM Schlosser Philipp
GM Nisipeanu Liviu-Dieter ½ - ½ GM Fridman Daniel
IM Bluebaum Matthias 1 - 0 GM Naiditsch Arkadij

Was für ein Tag für die jungen deutschen Spieler beim GRENKE Chess Classic. Sowohl Matthias Bluebaum gegen Arkadij Naiditsch als auch Dennis Wagner gegen Georg Meier boten ihren nominell überlegenen Gegnern einen heißen Kampf und mit etwas mehr Glück wäre es 2:0 für die "Prinzen" ausgegangen.

Naiditsch unterschätzt Bluebaum?

Bluebaum und Naiditsch kurz nach Beginn ihrer Partie | Foto: Siegfried Haußmann

Die deutsche Nr. 1 wich mit Schwarz in einer Damenindischen Partie früh von der gängigen Theorie ab, produzierte dabei aber eine Neuerung, die direkt zu einer schlechten Stellung führte. Anstatt seinen Königsflügel zu entwickeln, öffnete Naiditsch das Zentrum und geriet in der folgenden Stellung klar in Rückstand:

Bluebaum-Naiditsch nach 11.Lxd5:

Weiß gab zwar seinen schönen Läufer auf d5 für einen Springer, aber nach 11...exd5 12.Sf5 hatte er großen Vorteil, da Schwarz seinen Königsflügel nicht entwickeln kann. Der Läufer klebt, um g7 zu decken, auf f8 und Schwarz muss Klimmzüge machen, um nicht sofort zu verlieren. Bis zum 20. Zug machte der 17-jährige Bluebaum alles richtig und besaß die folgende Gewinnstellung nach 20...Kd7:

Hier verpasste Bluebaum den Zug 21.Tfd1! (21.Sxd5 sofort gewinnt auch) mit der tödlichen Drohung 22.Sxd5. Schwarz hat keine Verteidigung. Stattdessen setzte er mit 21.Sxe6? fort und nach 21...fxe6 war plötzlich der gesamte Vorteil futsch. Nach dem weiteren Fehler 22.Sd4? hätte sich die Partie vollends drehen können:

Hier setzte Naiditsch mit 22...Txb2 fort und nach 23.Df7+ nebst 24.Dxg8 waren die weißen Chancen wieder vorzuziehen. Stattdessen wäre 22...Sg5! stark gewesen. Der Springer deckt das Feld f7 und es droht die Gabel auf h3. Außerdem hängt der Läufer b2. Auf 23.Kg2 folgt 23...Ld6! und auf den Übergang ins Endspiel beginnend mit 23.Tc7+ behält Schwarz einen Mehrbauern. Wie gewonnen so zerronnen, denn kurze Zeit später stand Weiß wieder glatt auf Gewinn und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Der Abschluss dieses wilden Zweikampfs ging so vonstatten:

Bluebaum-Naiditsch nach 38.Da3:

Materiell alles gleich, aber wohin soll der Turm? Es folgte 38...Td2 (auf 38...Te2 gewinnt 39.Da6 mit Angriff auf den Turm und der Drohung 40.Tc8+) 39.Df8+ und Schwarz gab auf wegen 39...Kb7 40.Db4+ mit Gewinn des Turmes - die gesamte Partie mit "Kommentaren" unserer Engine könnt ihr hier nachspielen.

Wagner mit besserem Endspiel

Das Remis zwischen Georg Meier, mit Weiß normalerweise ein Tier, und Dennis Wagner darf als große Überraschung gewertet werden. Wagner scheint seinen theoriegewaltigen Gegner in der Eröffnung auf den falschen Fuß erwischt zu haben:

Schwarz zog die Dame nach d6 und verzögerte den sonst üblichen Abtausch auf b3. Welch Feinheiten sich in dieser Stellung verbergen, liegt außerhalb meiner bescheidenen Kenntnisse, aber offensichtlich hatte Schwarz nach den weiteren Zügen 13.Te1 Sxb3 14.Dxb3 (wahrscheinlich ist hier nach bekannten Vorbildern 14.axb3 vorzuziehen) 14...e6! keine Probleme. Meier opferte in der Folge einen Bauern - bekam ihn zurück, die Damen wurden auch getauscht - musste aber mit einer schlechteren Struktur Vorlieb nehmen; man beachte auch diesen Monsterläufer auf g7! 

Eine kritische Stellung entstand nach dem 29. Zug:

 

Durch eine kleine Kombination, die ihr hoffentlich durch meine pädagogisch wertvoll eingesetzten Pfeile nachvollziehen könnt (ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die mir zur Verfügung stehenden Farben Rot, Grün, Gelb und Blau einsetzen soll und bin für jeden Hinweis überaus dankbar gestimmt), transformierte Wagner die Stellung in ein besseres Turmendspiel. Es wäre, auch für mich, interessant zu wissen, ob Schwarz bei bestem Spiel gewinnt oder nicht. 

Fakt ist, dass Meier durch seine Endspielkunst und mittlerweile - doch, das kann man ruhig so sagen - angespielte Routine das Ding remis hielt.

1,5/2 mit Schwarz gegen zwei Großmeister: Ein super Start ins Turnier für Dennis Wagner | Foto: Siegfried Haußmann

Müde Großmeisteremis

Die Geschichten der weiteren Partien sind in Rekordzeit erzählt. 1.d4-Eröffnungen, symmetrische Strukturen, Figuren wandern schnell wieder in den Holzkasten, remis. Für Fridman mit Schwarz gegen Nisipeanu und für Schlosser mit der gleichen Farbe gegen Baramidze ein gutes Ergebnis, aber für die zwei anderen Spieler...hmm.

Ok, nicht ganz so schnell. Nisipeanu muss man zugute halten, das er von der Eröffnungswahl seines Gegners überrascht gewesen sein muss. Ich traf Fridman spät abends noch auf Skype und konnte ihm folgendes entlocken:

"Ich habe die Tarrasch-Verteidigung erst zwei oder drei Mal in meinem Leben gespielt. Dementsprechend war er wohl überrascht, aber ich war auch überrascht über den seltenen Zug 5.Lf4. Ich stand die ganze Partie angenehm und suchte nach konkreten Fortsetzungen, um meine Stellung zu verbessern. Leider übersah ich 18...h5, wonach es für Weiß unangenehm wird. Stattdessen tauschte ich alles ab."

Hier war Nisipeanu bestimmt noch in seiner Vorbereitung, aber zwei Züge später stand plötzlich ein Bauer auf c5...| Foto: Siegfried Haußmann

Die Paarungen der 3. Runde, die wir am Montag ab 14 Uhr mit Kommentar von GM Klaus Bischoff live übertragen, lauten:

GM Naiditsch Arkadij   GM Meier Georg
GM Fridman Daniel   IM Bluebaum Matthias
GM Schlosser Philipp   GM Nisipeanu Liviu-Dieter
IM Wagner Dennis   GM Baramidze David

Mit Naiditsch gegen Meier steht uns eine richtig spannende Partie ins Haus und interessant wird zu sehen sein, ob sich Dennis Wagner nach dem erfolgreichen Start auch gegen Baramidze behaupten kann.

Text: IM Georgios Souleidis